Unsere Historie
HomeKontaktImpressum HomeThemenGemeindeCafe talk aboutBücherstubeKontakt
Angenommen seinAngenommen seinBegabungen einbringenBegabungen einbringenGemeinsam wachsenGemeinsam wachsenUnsere HistorieUnsere HistorieTheologische BasisTheologische BasisApo. GlaubensbekenntnisApo. GlaubensbekenntnisÜber das MiteinanderÜber das Miteinandergo(o)dlinego(o)dlineRegelmäßige TermineRegelmäßige TermineMartha Maria & CoMartha Maria & CoTeenkreisTeenkreisKinderGottesDienstKinderGottesDienstÄltesteÄlteste
 

EINE ALTE GEMEINDE KOMMT IN BEWEGUNG…

In diesem Jahr wird das 150-jährige Jubiläum der Brüderbewegung in Deutschland gefeiert – auch für die Krefelder Brüdergemeinde ein Grund, auf ihre Wurzeln zurückzublicken. Interessant ist es sicher auch für viele, die im Laufe der letzten Jahre Gemeindeglieder geworden sind, etwas über die Entwicklung dieser Gemeinde zu lesen.

Die Brüdergemeinden haben ihren Ursprung in Großbritannien bzw. Irland. Gläubige aus verschiedenen christlichen Gruppierungen trafen sich um 1830 im Namen Jesu zu Gebet, Verkündigung und Abendmahl, um unter der Leitung des Heiligen Geistes die Einheit des Leibes Christi zu verwirklichen. Der Ausspruch Jesu in Matthäus 28,3: „Einer ist euer Lehrer, ihr aber seid Brüder“, führte auch zu der Bezeichnung „Brüdergemeinde“ – was aber nicht bedeutet, dass Frauen ausgeschlossen sind.

Die Bewegung breitete sich bald in Deutschland aus, wo seit 1843 in Württemberg und im Rheinland (Wuppertal - Elberfeld, daher auch die Bezeichnung „Elberfelder Brüder“) Brüdergemeinden entstanden. Aus unserer Umgebung sind „Christliche Versammlungen“, wie sich solche Gemeinden in Deutschland nannten, in Düsseldorf, Benrath, Hilden, Haan, Ohligs, Rheydt, Kettwig und Mühlheim/Ruhr dokumentiert.
Die Krefelder Gemeinde entstand um 1890. Die Zusammenkünfte fanden im Privathaus der Familie Enger, Inrather Str. 9, statt, dem späteren Elternhaus von Emmi Schürmann (Tochter von Jakob Botzen). Ab 1920 traf sich die Gemeinde in der Elisabethstraße, danach in der Oelschlägerstraße, ab 1930 in der Aula des Arndtgymnasiums in der Dionysiusstraße. Etwa 1932 mietete man einen Raum im Innenhof eines Hauses in der Hubertusstraße. Hier versammelte sich die Gemeinde mit zeitweiliger Unterbrechung infolge politischer und kriegsbedingter Umstände bis Anfang der 60er Jahre.

Zwischen den Geschwistern in Krefeld und Uerdingen bestand immer eine enge Verbindung. Sonntags kamen die Uerdinger nach Krefeld, versammelten sich aber von 1911-1919 mittwochs abends in Uerdingen bei Familie Maubach auf der Duisburger Straße.

1. Weltkrieg und Nachkriegsjahre

Die Weltkriegsjahre 1914-1918 und die anschließende Besatzungszeit durch Belgier und Franzosen erschwerten die Mobilität innerhalb der Stadt. Daher trafen sich die Uerdinger als Gemeinde ab November 1919 im Haus der Familie Johannes Botzen (Großeltern von Werner und Manfred Botzen), Ter-Meer-Str. 12, heute Wohnhaus der Familie Volker Wichmann. Es war eine so genannte Stubenversammlung, wie es damals viele gab. Fred Maubach (Jahrg. 1927) erinnert sich, dass die Tür zwischen Küche und Wohnraum ausgehängt war. Die Frauen saßen in Stuhlreihen in der Küche, während die Männer ihren Platz im Wohnzimmer hatten. Fred saß als kleiner Steppke in der letzten Reihe, während weiter nach vorne „die Brüder an Lebensjahren zunahmen“. Johannes Botzen, der als Ältester am Tisch saß, beeindruckte den kleinen Fred durch seine Ausstrahlung von Güte und Warmherzigkeit.
Das gute Verhältnis zwischen den Uerdinger und Krefelder Geschwistern zeigte sich auch in der monatlichen „Großen Versammlung“. Die Uerdinger kamen (anfangs zu Fuß, später vermutlich mit der Straßenbahn) am Sonntagmorgen zur Mahlfeier. Über Mittag waren sie Gäste der Krefelder Geschwister. Nachmittags um 16 Uhr war der Predigtgottesdienst, die „Wortverkündigung“. Im Anschluss daran trafen sich die jüngeren Leute zur Jugendstunde bis 21 Uhr. Vor dem Heimweg stärkte man sich noch mit vorbereiteten Butterbroten und Tee.


 

     
 

Die Krefelder Gemeinde im Dritten Reich

Das Jahr 1937 ist von entscheidender Bedeutung in der Geschichte der Brüdergemeinden – auch der Krefelder. Am 13.04.1937 wurde mit Verfügung des Reichsführers der SS, Heinrich Himmler, das Versammlungsverbot ausgesprochen – ein umwälzendes Ereignis in der Geschichte der Brüderbewegung. Dieses Verbot ergab sich aus der atheistischen und christentumsfeindlichen Weltanschauung der Nationalsozialisten.
Zum besseren Verständnis dieser Situation folgt ein knapper Rückblick auf die historische Entwicklung der Brüdergemeinden in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg . (Sehr ausführlich und interessant berichtet in: Gerhard Jordy: Die Brüderbewegung in Deutschland, Teil 3, R. Brockhaus Verlag, Wuppertal, 1986.)
Neben den „Elberfelder Brüdern“ entstanden aus der englischen Brüderbewegung heraus auch in Deutschland Gemeinden der sog. „Offenen Brüder“. Der Name resultiert aus ihrem Grundsatz, offen zu sein für Bibelgläubige aller Kreise. Sie betonen die Unabhängigkeit jeder örtlichen Gemeinde in ihren Entscheidungen und sind darin nur Gott und seinem Wort verpflichtet. Gerade der Verzicht der „Offenen Brüder“ auf eine bindende Gemeindestruktur für alle Ortsgemeinden betont die Einheit aller Kinder Gottes als Leib des Herrn Jesus Christus auf dieser Erde.
Demgegenüber sahen die „Elberfelder Brüder“ die Einheit aller Kinder Gottes sinnbildlich nur dargestellt bei der Abendmahlsfeier am „Tisch des Herrn“. Das führte dann auch zu der Überzeugung, jeden Kontakt mit Christen anderer „religiöser Systeme“ zu vermeiden. Zwar galt auch der Grundsatz der Eigenständigkeit jeder Gemeinde, aber durch Konferenzen, Schriften und Besuche von Reisebrüdern wurde doch eine gewisse einheitliche Richtung/Reglementierung erreicht. Es entwickelte sich eine „Autoritätsgläubigkeit“ gegenüber den führenden Brüdern, die unterschiedliche Standpunkte oder gar Diskussionen nicht duldeten. Während bei den „Elberfelder Brüdern“ die Einheit des Geistes also mit der Lehre der Absonderung verbunden war, äußerte sich die Einheit der Gläubigen bei den „Offenen Brüdern“ in einer „Allianzgesinnung“, d.h. Offenheit für alle bibelgläubigen Christen. Gerhard Jordy kommt zu dem Schluss, dass es gerade die „Offenen Brüder“ waren, „die die Grundsätze aus den Anfängen in England und Irland mit großer Treue überlieferten und nach 1937 wieder in die deutsche Gesamtbewegung einbrachten. Auf diese Weise wirkten sie nach dem Zweiten Weltkrieg sowohl in der Lehre wie auch in der missionarischen Praxis ungemein befruchtend und in mancherlei Hinsicht richtungweisend.“ (Jordy: Die Brüderbewegung in Deutschland, Teil 2, S. 113)
Die Verfügung vom 13.04.1937 hatte für die Krefelder Gemeinde folgende Auswirkungen: der Raum in der Hubertusstraße wurde geschlossen; Bibeln und Gesangbücher wurden von der Sicherheitsbehörde beschlagnahmt; alle Zusammenkünfte wurden untersagt. Obwohl seitens der Gestapo (Geheime Staatspolizei) keine offiziellen Begründungen gegeben wurden, waren einer straff durchorganisierten Staatsführung Gemeinden ohne durchsichtig aufgebaute Organisation ebenso suspekt wie deren Abkehr vom politischen und kulturellen Leben, worin die Nazis eine staats- und lebensverneinende Haltung sahen.
Der Bruder Dr. Hans Becker aus Dortmund, Jurist, wurde von den leitenden „Elberfelder Brüdern“ als Unterhändler mit der Gestapo bevollmächtigt. Diese forderte eine feste Organisation mit namentlich aufgeführten Verantwortlichen in hierarchischer Ordnung: Reichsbeauftragter, Landesbeauftragter, Ortsbeauftragter. Ferner gab es Mitgliederlisten. Die Organisation hatte einen neutralen Namen zu führen und beinhaltete nicht die Fortsetzung der „Christlichen Versammlung“, die weiterhin verboten blieb. Der „Sprung über den Schatten der Absonderung“ erschien allen Verantwortlichen notwendig, war dadurch doch wieder eine Versammlung zum Gottesdienst möglich.
Unter dem Druck und in Anwesenheit der Gestapo wurde am 30.05.1937 in Wuppertal - Elberfeld der Bund freikirchlicher Christen (BfC) gegründet, in den jedes Gemeindeglied persönlich aufgenommen werden musste. Er wurde am 03.06.1937 von Heinrich Himmlers Stellvertreter, dem Gestapo – Chef Reinhard Heydrich , legalisiert. Der Reichsbeauftragte des BfC war Dr. Becker. Im Dezember 1937 schlossen sich auch die „Offenen Brüder“ dem BfC an; dazu gehörte auch das Missionshaus / Bibelschule Wiedenest.
Für Krefeld lässt sich leider nicht feststellen, wer der Ortsbeauftragte der neuen Gemeinde im BfC, wer im Bruderbeirat war. Jedenfalls beantragten fast alle Glieder der ehemals „Christlichen Versammlung“ persönlich ihre Mitgliedschaft im BfC, damit wieder die Zusammenkünfte im Gottesdienst möglich würden. Ebenso wurde in der Gemeinde in Uerdingen verfahren.

Die politische Entwicklung im Dritten Reich und der Beginn des Zweiten Weltkrieges am 1. September 1939 beschleunigten den Trend zum Zusammenrücken aller Gläubigen. Was das Hitlerregime sicher nicht mit seinem Versammlungsverbot und den daraus resultierenden Reglementierungen beabsichtigt hatte, ergab sich zwangsläufig als „Nebenprodukt“ (nach einer langwierigen, schwierigen „Geburt“): Vereinigung der Baptistengemeinden und der Gemeinden im BfC zum Bund Evangelisch-freikirchlicher Gemeinden. Die staatliche Anerkennung erfolgte 1942. In diesen Bund glitten die Krefelder Geschwister „automatisch“ hinein. Für Gläubige, die das nicht wollten, galt dann wieder das Versammlungsverbot von 1937, denn den BfC gab es fortan nicht mehr, weil er in den neuen Bund einging.
Nicht nur die Politik und die Weltanschauung des Dritten Reiches beeinträchtigten die Christen in Krefeld. Die Kriegsjahre von 1939 – 1945 brachten viele Erschwernisse des täglichen Lebens: Rationierung aller Verbrauchsgüter (Lebensmittel, Kleidung, Heizmaterial); Familien wurden zerrissen: Männer und Söhne wurden zum Militär eingezogen, Töchter mussten zum Reichsarbeitsdienst, Schulklassen wurden evakuiert. Die schweren Angriffe der Alliierten Streitkräfte zerstörten – besonders 1943 – die Stadt erheblich. Sehr viele Glaubensgeschwister waren ausgebombt, viele wurden evakuiert oder verzogen zu Verwandten. Auch die Autorin wohnte mit Mutter und Geschwistern für mehrere Monate bei Verwandten im Sauerland. In die elterliche Wohnung in Krefeld zog vorübergehend eine ausgebombte Familie ein. Details über die „Zerstreuung der Gemeinde“ sind nicht bekannt.
Der Versammlungsraum in der Hubertusstraße wurde für geraume Zeit der Freien evangelischen Gemeinde zur Verfügung gestellt, da deren Gebäude zerstört war. In einem Wohnhaus gegenüber fand im Wohnzimmer der Familie Rossmüller/Kompa die Sonntagsschule dieser Gemeinde statt, zu der die Autorin auch einige Zeit ging.

     
 


In der Nachkriegszeit

Nach dem Krieg versammelte sich die Uerdinger Gemeinde ab 1945 wieder im Privathaus Botzen in der Ter-Meer-Straße. Da nun wieder religiöse Versammlungsfreiheit bestand, tendierte ein Teil der dortigen Geschwister wieder zur Richtung der „Elberfelder Brüder“, wie sie bis 1937 bestanden hatte. Die übrigen schlossen sich der Krefelder Gemeinde an, die auch durch Zuzug einiger Flüchtlingsfamilien gewachsen war.
Auch in Krefeld brachen erneut Fragen auf: War es richtig gewesen, sich dem Bund Evangelisch-freikirchlicher Gemeinden anzuschließen? Wollte Gott allen die Augen öffnen, um so gemeinsam und vermehrt für ihn wirken zu können? Hätte man das Versammlungsverbot von 1937 einfach als gottgewollt hinnehmen sollen? Alle Gemeindeglieder – Männer wie Frauen – nahmen sich vor, diese Fragen gemeinsam zu lösen, wobei jeder nach seinem Gewissen urteilen sollte. Da keine gemeinsame Leitlinie erreicht wurde, kam es um 1949 zur Trennung. Diese traurige und schmerzliche Situation ging mitten durch die Gemeinde, durch Familien und Verwandtschaften. Etwa 40% der Gemeindeglieder bildeten wieder eine Gemeinde im Sinne der „Elberfelder Brüder“ (auch als „Exklusive Gemeinde“ oder „Alte Versammlung“ bezeichnet). Die verbleibenden Geschwister versuchten, durch Austritt aus dem Bund der Evangelisch-freikirchlichen Gemeinden wieder Ruhe in die Gemeinde einkehren zu lassen, obwohl die Trennungsgründe weniger in der Mitgliedschaft im Bund als in der Frage nach dem Rückschritt in die „Enge“ oder dem Fortschritt in die „Weite“ zu suchen waren.

Verschiedene leitende Männer aus der Brüderbewegung traten der Lehre von der Absonderung entgegen. Ernst Schrupp schrieb 1948 – gerade nach Wiedenest berufen: „Es ist ein Widerspruch, sich um der Wahrheit willen von Gliedern der Gemeinde Jesu Christi abzusondern, da ja gerade die Wahrheit die ganze Liebe fordert. Können wir denn allen Ernstes Angst haben, dass wir zuviel lieben könnten?“ (Zitiert in Jordy: Die Brüderbewegung in Deutschland, Teil 3, S. 315)
Fred Maubach formulierte es in seinem Vortrag im Dezember 2000 so: „Allen Geschwistern war es ein Anliegen, wieder untereinander und mit Gott ins Reine zu kommen nach diesen heftigen Auseinandersetzungen. Wir sahen unser Versagen ein und beugten uns auch wegen unseres Schweigens und Stillhaltens im Dritten Reich , insbesondere wegen der Vergehen an Juden und in Ungnade gefallenen Deutschen in Konzentrationslagern, wovon die meisten ja erst nach dem Kriegsende erfahren haben. Erst danach hatten die Geschwister die Freimütigkeit, das Mahl des Herrn zu feiern, was über einen langen Zeitraum nicht geschehen war, weil sich die Geschwister dafür unwürdig fühlten.“

Aufbruch in neuen Räumen

Im Jahr 1964 wurde in der Alten-Linner-Str. ein großer Raum in der ersten Etage eines Wohnhauses (mit Gewerbebetrieb im Parterre) gemietet. Parallel zum Predigtgottesdienst, zu dem sich etwa 20 Personen trafen, fand mit vier bis sieben Kindern die Sonntagsschule in einem winzigen Nebenraum statt. 1978 zog man im selben Haus in die frei gewordenen Gewerberäume, zu denen auch ein kleiner Innenhof und ein gesonderter größerer Raum gehörten. Letzterer wurde für Kinder- und Jugendarbeit genutzt. Durch geschickte Bestuhlung entstanden etwa 60 Sitzplätze für die inzwischen gewachsene Gemeinde.

Gleichzeitig wurde 1978 im vorderen Teil des Raumes die Christliche Bücherstube eröffnet. Das große Fenster zur Straßenseite machte den Laden recht attraktiv. Auch war die Landeskirchliche Gemeinschaft während der Umbauphase ihres Hauses Gast in unserem Raum. Die kleine Gemeinde wurde zu mehr missionarischen Aktivitäten ermutigt. So fand 1986 eine erste „Aktivwoche“ mit einer Bibelschulklasse aus Wiedenest statt. Bis heute unterstützen solche Einsätze der Bibelschule Wiedenest die missionarische Arbeit der Gemeinde. Gemeindeglieder trafen sich in unterschiedlichen Hauskreisen, um zu aktuellen Fragen oder Problemen mit Hilfe von Bibel und Gebet einen sicheren Standpunkt zu erarbeiten. Auf Gemeindefreizeiten wurde die Gemeinschaft vertieft. So ist z. B. die Gemeindefreizeit im Sauerland während der Karnevalstage bis heute ein fester Bestandteil im Gemeindeleben geworden.

Seit 1988 fanden die Sonntagsgottesdienste (Abendmahlsfeier/Predigtgottesdienst) mit den parallel gelegten Kinderstunden im Gemeindehaus der Landeskirchlichen Gemeinschaft, dem Philipp-Jakob-Spener-Haus, in der Dreikönigenstr. 10 statt, weil der Raum für die wachsende Besucherzahl nicht mehr ausreichte. Ab 1990 erfolgte dann die endgültige Mit-Nutzung der Räume durch die Brüdergemeinde mittels Mietvertrag. Damit ergab sich für die Gottesdienste ein Angebot von etwa 100 Sitzplätzen, und auch für die wachsende Kinder- und Jugendarbeit standen mehrere Nebenräume zur Verfügung. Die steigende Zahl der Gottesdienstbesucher – besonders bei Gästegottesdiensten – führte zur Einrichtung eines Bauausschusses, der für die räumlichen Belange der wachsenden Gemeinde ein Anforderungsprofil erstellte. Die erfolglose Suche während mehrerer Jahre nach einem Haus, das diesen Zwecken entsprach, führte zur „Beinahe-Auflösung“ dieses Gremiums.

Ein neues Zuhause

Dann bot sich 1996 die große Chance, eine Industrieruine zu dem Gemeindezentrum zu gestalten, wie es sich heute dem Besucher zeigt. Besonders erfreulich für die Gemeinde war es, dass ein Taufbecken eingebaut werden konnte. Dieses ist bereits oft benutzt worden. Eine weitere Freude ist es auch, dass Hochzeiten und andere Events nun in der eigenen Gemeinde gefeiert werden können. Viele Männer und Frauen der Gemeinde haben durch ihre intensive Arbeit und durch vielfältige Gaben das Haus zu einem Ort gemacht, an dem das Evangelium von Jesus Christus gelebt und in unsere Stadt weitergegeben wird. Der Eröffnungsgottesdienst in diesen attraktiven Räumen mit bis zu 240 Sitzplätzen fand am 4. Mai 1997 statt. Nach langen, zähen Verhandlungen mit dem damaligen Eigentümer hat Gott es geschenkt, dass die Gemeinde (über den Verein für christliche Gemeinschaftspflege e. V.) die Räumlichkeiten im Jahr 2002 kaufen konnte. Damit ergab sich noch einmal eine Vergrößerung der Nebenräume, die für die wachsende Kinder- und Jugendarbeit genutzt wird.

Das Gefühl des Aufbruchs, das 1978 mit dem Umzug in die Parterre-Räume der Alten-Linner-Str. begann, hat die Gemeinde mehr und mehr in Bewegung gebracht, um Menschen für Gott zu gewinnen. In Laufe der Jahre hat Gott viel bewegt und geschenkt, weil in der Gemeinde viel gearbeitet worden ist und weiterhin gearbeitet wird. Verfolgt man die Beiträge der „Informationsblätter der Gemeinde“ aus den 1980er Jahren und der „Gemeindebriefe“ aus den 1990er Jahren, so spiegelt sich darin ein immer differenzierteres Bild des Gemeindelebens – nicht nur am Sonntag, sondern auch während der Woche.

Eine lebendige Gemeinde

Mit dem Wachstum der Gemeinde entwickelten sich ein Spielkreis für Kleinkinder (nach Bedarf), eine Kinderstunde in St. Tönis, eine Kinder-Ferien-Woche, Jungschar, Teenkreis, Hauskreis Junger Erwachsener, Bibelgesprächskreise, Biblischer Unterricht für Teens, Gebetskreise, Bibel- und Gebetsabend, Hauskreise, Jüngerschaftskurse, Abende für Frauen („Evas Beziehungskästchen“), Treffen für Männer („Adams Männerrunde“) und Seniorentreffen. Immer wieder gab es Bibelwochen, Seminare und Abendveranstaltungen zu wichtigen Themen oder Missionseinsätze, bei denen die Gemeinde unterstützt wurde z. B. von der Kindermission Siegerland, dem YoungMobiTreff oder Gruppen der Bibelschule Wiedenest. Auch förderten viele Praktikanten durch ihren mehrwöchigen Einsatz das Gemeindeleben. Neben vielen Gemeindegliedern haben sich in den letzten Jahren auch immer wieder vollzeitliche Mitarbeiter in den Dienst der Gemeinde gestellt. Einige von ihnen nutzten die Möglichkeit, in der Volkshochschule Seminare zu biblischen Themen anzubieten. Die Verdopplung der thematisch gestalteten Gästegottesdienste (Samstagabend ohne/ Sonntagmorgen mit Kinderstunde) bietet jedem Teilnehmer die Möglichkeit, entsprechend seinen Bedürfnissen Gottes Wort zu hören. Hier ist auch häufig die Anspielgruppe in Aktion, und ein erweitertes Musikteam begleitet den Gemeindegesang und trägt mit dazu bei, den Gottesdienst einladend zu gestalten. Anschließend ist an schön dekorierten Tischen bei Imbiss bzw. Stehkaffee Gelegenheit zu Gesprächen. Zu diesen Gästegottesdiensten wird u. a. durch einen „Büchertisch“ in der Innenstadt eingeladen. Bei allen Aktivitäten geht es darum, Menschen unserer Stadt mit dem Evangelium von Jesus Christus bekannt zu machen oder Glaubende in ihrem Christenleben zu stärken.

Dazu tragen auch die bereits erwähnte Christliche Bücherstube und das Café „Talk about“ bei. Der Buchladen zog 1992 von der Alten-Linner-Str. in die Dreikönigenstr. 21 um. Nach der Eröffnung am 4. September war der Büchertisch während der Bibelausstellung im Seidenweberhaus zum „Jahr der Bibel“ - ebenfalls im September 1992 – ein weiteres „Highlight“. 2003 wurde das 25-jährige Bestehen der Christlichen Bücherstube gefeiert, und alle dort Tätigen sind dankbar, dass Gott immer genügend ehrenamtliche Mitarbeiter und Bewahrung während dieses langen Zeitraums geschenkt hat.

Bereits nach der Eröffnung der Christlichen Bücherstube in der Alten-Linner-Str. entstand die Idee eines Bücher-Cafés. Daraus entwickelte sich ein Gesprächskreis, in dem sich an der Bibel interessierte Menschen trafen. Der Plan, eine Teestube oder Ähnliches einzurichten, blieb aber bestehen. Als sich dann 1994 die Möglichkeit ergab, in der Dreikönigenstraße ein Ladenlokal zu mieten, wurde viel Arbeit in Planung und Durchführung investiert, um einen rauch- und alkoholfreien gemütlichen Treffpunkt zu schaffen: das Café „Talk about“. Es ist ein Angebot zum „Entspannen bei Kaffee und Kuchen“, zum Gespräch über „Gott und die Welt“, zum Basteln für Kinder oder zu Themenabenden. Das Café besteht bereits seit über 10 Jahren.

Seit 1994 treffen sich einmal jährlich die Brüdergemeinden aus Duisburg, Issum, Homberg, Kempen, Krefeld und Wesel zum Niederrhein – Gemeindetag. Das Erleben der gemeinsamen Abendmahlsfeier und der großen Gemeinschaft, das Einbringen geistlicher Impulse und die Horizonterweiterung auch durch persönliche Gespräche stärken die Verbundenheit der verschiedenen Ortsgemeinden am Niederrhein.

Anne Langefeld

     
 


Quellenangaben:

Gerhard Jordy: Die Brüderbewegung in Deutschland, R. Brockhaus Verlag Wuppertal
Teil 1 - 1979, Teil 2 - 1981, Teil 3 – 1986

Gerhard Jordy (Hrsg.): 150 Jahre Brüderbewegung in Deutschland,
Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg, 2003

Fred Maubach: Die Brüdergemeinde in Krefeld
Vortrag (Tonband), 13.Dezember 2000

Rudolf Post: Private Aufzeichnungen

Walter Schürmann: Chronik – Geschichtliche Entwicklung der Brüdergemeinde Krefeld,  Gemeindebrief, Juni 1994

Werner Botzen, Emmi Schürmann, Gustel Hilgemann: mündliche Mitteilungen
Gemeindeinformationen/ Gemeindebriefe aus den Jahren 1986 – 2003

     
nach obendrucken